Kunst und Gesellschaft // Sinn und Kommunikation

Also, vielleicht schaff ich heute mal wieder einen Text. 9 Kapitelchen hab ich mir zumindest vorgenommen.

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Prolog

Ein Sonntagmorgen im April. Ich setz mich an meinen PC und hab PlĂ€ne. Aber was fĂŒr welche?

Ich könnt zum Beispiel mal ein wenig zusammenfassen, was fĂŒr "Aspekte im Umgang mit den modernen Kommunikations-Devices" mir persönlich interessant erscheinen, zur Zeit.

Möglicherweise gÀbe es eine komplexe Netzwerk- oder gar Kommunikationstheorie, die alles das, was mich zur Zeit beschÀftigt, genial formuliert.

Ich könnte sie mir vielleicht sogar aneignen. Aber zu dem Zeitpunkt wÀr sie dann sicher nicht mehr aktuell.

Ich will also keine stringente Theorie. Lieber will ich meine eigenen Erfahrungen machen.

Dennoch bin ich froh, mich bei Unsicherheiten und Fragen auf einige grundsĂ€tzliche Überlegungen stĂŒtzen zu können.

Schliesslich soll es mir Spass machen, hier im unsicheren Raum der Möglichkeiten.

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(ca 8 Stunden spÀter)

Nun setz ich mich also dran, hier ein paar Gedanken in die Kommunikation zu bringen zu meiner Ansage von heute morgen. Zu einem gewissen Teil habe ich mich dazu selber ĂŒberlistet. Gut möglich, dass ich heute nichts mehr getan hĂ€tte dergleichen, wenn ich diesen Text nicht am Morgen auf Facebook angekĂŒndigt hĂ€tte und ein paar Reaktionen dazu bekam.

Das mach ich oft so: Ich poste irgendetwas, was mich interessiert oder triggert und erhöhe sozusagen den Druck auf mich selber, mich dann auch mal ein wenig damit auseinanderzusetzen. Ansonsten wĂ€rs mir spĂ€testens nach ein paar Wochen peinlich, wenn ich mich in aller Öffentlichkeit immer nur an den gleichen Punkten wiederhol und nie einen Schritt weiter zu kommen scheine.

Ich traue mir dieses Spannungsfeld offenbar zu und kann sogar damit leben, wenn das eine Beobachterin, ein Beobachter nicht so sieht. Dazu habe ich natĂŒrlich Verschiedenes experimentiert und meine Erfahrung zeigt mir, dass ich eigentlich "in Ruhe gelassen" werde mit meinem Workflow. Es scheint also irgendwie sozial vertrĂ€glich zu sein.

Hier werde ich also nun einige Aspekte formulieren, sich in den letzten beiden Jahren intensiver SocialMedia-Nutzung angesammelt haben. Es sind alles Aspekte, die ich fĂŒr mich insofern als immer noch gĂŒltig erachte, weil sie sich in meiner Beobachtung noch nicht falsifiziert, aufgelöst und auch noch nicht definitiv ausdifferenziert haben. Sie sind mir - von meinem Punkt aus gesehen - immer noch nĂŒtzlich.

Im Idealfall beachte ich sie nicht.

Was wir hier tun mit unseren SocialMedia-Accounts und Adressen scheint mir insgesamt immer noch viel zu unklar. Entscheidend scheint mir also immer noch, wie ich das ganz persönlich erlebe. Ich will mich da nicht einschrÀnken lassen.

Die These geht, dass dies eine wirklich neuartige Applikation ist, die uns hier zur VerfĂŒgung steht und wir komplett ahnungslos sind, wohin das fĂŒhren wird. 

Es scheint also angebracht, meine ur-eigenen Erfahrungen zu sammeln und mich dabei beobachten zu lassen. Aus der Differenz meiner Erfahrungen und den RĂŒckmeldungen, die ich beobachten kann, kann ich SchlĂŒsse ziehen, weiter experimentieren.

Es gelingt also, weil ich nicht alleine bin. Formen der Kommunikation "fĂŒr mich alleine" kenne ich schon viele - das hier ist eine andere.

Ich werde diese Text "hermetisch" halten. Also mich zwar auf Theoretikerinnen beziehen oder die eine oder andere "User"-Erfahrung antönen, aber weder Links noch Original-Zitate dazu posten. Es darf gerne etwas holzschnittartig rĂŒberkommen. 

Das ist in dieser Form dann interessant fĂŒr mich. Unter anderem, weil ich in den letzten Jahren sehr selten (freiwillig) Texte geschrieben habe. Ich halt mir selber die entsprechenden AnsprĂŒche tief, denn ich weiss, der Appetit kommt mit dem Essen.

Und ich weiss noch nicht genau, ob ich darauf wirklich Lust habe, auf das Schreiben von Texten, also lass ich mich eher locker, experimentell darauf ein.

Sonst wĂŒrds mir den Spass verderben.

✅ Nur die Kommunikation kommuniziert

Das ist so etwas, was fast niemand zu verstehen scheint. Gut also damit anzufangen.

Ich lass den Teil jetzt weg, der argumentiert, wieso "Kommunikation" eine brauchbare gesellschaftstheoretische Kategorie ist und wieso "Kultur" oder "Moral" eben nicht zum Beispiel. Das hat meiner Meinung nach rein wissenschaftliche, logische GrĂŒnde. Begriffe werden verworfen, wenn sich zeigt, dass sie fĂŒr eine Analyse nicht taugen. Nicht weil eine Theoretikerin einen Begriff "nicht mag".

Gerne bringe ich aber ein einfaches Beispiel zur Illustration:

Wir, also Sie Leserin und ich, wir treffen uns - sagen wir: am Kiosk - und blicken uns kurz in die Augen. Sie sagen: "Guten Tag". Ich erwidere: "GrĂŒeziwohl". Vielleicht lĂ€cheln wir uns noch kurz an oder nicken oder so und gehen dann unserer Wege.

Was ist da nun genau "passiert"?

Man* könnts von vielen Seiten betrachten, aber lassen Sie uns mal bloss die Kommunikation, den Blick, die Worte, das Nicken anschauen. NatĂŒrlich nehmen wir das persönlich. NatĂŒrlich kann das etwas in uns auslösen, weiterfĂŒhrende Gedanken oder was auch immer.

Die These aber, dass das "GrĂŒeziwohl", welches ich entgegnete, gelernte Kommunikation ist, scheint bestechend. Mein "GrĂŒeziwohl" hat mutmasslich sehr, sehr viel mehr mit meiner allgemeinen Art des Sprechens zu tun als mit diesem einzigartigen Moment der Begegnung.

Ich hab mal gelernt, dass man* grĂŒsst. Auf schweizerdeutsch, weil ich mich gerade in der Deutsch-Schweiz befinde und hier aufgewachsen bin.

Ich hab also wohl schon tausende Male in meinem Leben "GrĂŒezi" gesagt und die Vermutung, dass dieses konkrete "GrĂŒeziwohl" an Sie heute am Kiosk eine leichte Variation meiner tausendfachen GrĂŒezi-Übung ist (und sehr wenig mit der konkreten Begegnung zu tun hat), scheint mir einleuchtend. Genauso wie Ihre BegrĂŒssung an mich. 

Es mag uns dabei beiden ein minimer Unterschied zu allen anderen kurzen BegrĂŒssungen unseres Lebens auffallen, und diese Beobachtung mag sehr interessant sein, grosso modo ist es aber ein gut eingeĂŒbtes Ritual.

Es bezieht sich auf die Sprache, die wir gelernt haben, auf "Codes", wie man* sich in der Öffentlichkeit zu verhalten hat, darauf, dass wir ĂŒberhaupt sprechen und so weiter. Auf eine mehrere tausend Jahre alte Geschichte der Sprachentwicklung sozusagen.

Es wĂ€re - in einer anderen Entwicklung - auch möglich gewesen, dass wir uns an der Nase stupsen zur BegrĂŒssung. Taten wir aber nicht und tun wir nicht. Eben, nicht weil diese exeptionelle Einzelbegegnung uns dazu veranlasst, sondern es ist die Art, wie wir je gelernt haben zu kommunizieren.

Sollte es in Mode kommen in bestimmten Situationen "blublub" zur BegrĂŒssung zu sagen, werden wir beide das dann auch tun. Weil sich etwas an einem kommunikativen Ausdruck geĂ€ndert hat, nicht, weil ich plötzlich ein anderer Mensch bin.

*

Beobachten wir uns also gegenseitig auf Facebook, dann ist davon auszugehen, dass wir gegenseitig je unseren Umgang mit Kommunikation beobachten.

Das scheint noch klar, wenn ich zum Beispiel einen comment-Strang mitlese, aber selber nichts dazu schreibe. Ich sehe, wie Menschen hier miteinander kommunizieren und es kÀme mir nicht in den Sinn, diese Kommunikationen auf mich, also auf meine Anwesenheit zu beziehen. Wie auch? Es sieht ja niemand, dass ich mitlese.

Kommentier ich aber mit und begebe mich in Diskussionen, Unterhaltungen, scheint das plötzlich geĂ€ndert. Mein GegenĂŒber schreibt jetzt wegen mir genau so. Ich nehme das persönlich. Er/Sie meint das sicher so oder so.

Nein, natĂŒrlich nicht. Ich verĂ€ndere nicht die Kommunikationsformen eines GegenĂŒbers, die er/sie schon tausendfach eingeĂŒbt hat, einfach schnell so. Es wĂ€re absurd, davon auszugehen.

Möglich, dass ich mein GegenĂŒber mit meiner Art der Kommunikation in einen etwas anderen Modus bringe. Es kann aber nur ein Modus sein, der diese Person schon kennt, also schon eingeĂŒbt hat, also der sich wiederum auf das Feld (seiner) der Kommunikation bezieht und nicht auf meiner aktuelle Anwesenheit.

Es macht also fĂŒr mich schlicht und einfach Sinn "bloss" die Kommunikation zu beobachten und mir keine weiteren schnellen SchlĂŒsse daraus zu ziehen. Die Gefahr scheint gross, dass ich schlicht von Anfang an "projeziere", weil ich mir zb gewohnt bin, dass nur "ein solch und solcher Mensch so schreibt".

Das hat aber nicht mit meinem konkreten GegenĂŒber zu tun, wie könnte es auch?

*

Wir radikal dieses "nur die Kommunikation kommuniziert" zu denken ist, hĂ€ngt fĂŒr mich von verschiedenen noch ungeklĂ€rten Faktoren ab.

Ich mag die radikale Luhmann-Variante sehr. Seine BegrĂŒndung dafĂŒr hiesse vielleicht ungefĂ€hr so: Auch wenn sich in diesen kommunikativen Situation viel mehr als blosse Kommunikation abspielt, macht es wenig Sinn, darĂŒber zu spekulieren. Denn die Kommunikation ist vorhanden, sie kann beobachtet werden. Es kann damit gearbeitet werden. Da wir nicht wissen (und nach Luhmann auch nie einen Zugang dazu haben werden), wie die Psyche unseres GegenĂŒbers funktioniert, wie sein Spracherwerb war, und wieso ganz genau er/sie das nun genau so formuliert, scheint es wenig Sinn zu machen, in diesem Bereich zu grĂŒbeln.

Nicht wenn wir von öffentlicher Kommunikation sprechen. Vielleicht gibt es einen privateren Kreis oder eine Profession, die solche Frage zu stellen und auch ein wenig zu beantworten mag. Ich weiss es nicht.

Wenn ich mich zusĂ€tzlich darauf achte, dass auch "ich" nur durch meiner Kommunikation wahrgenommen werde, dann kann ich damit zu spielen, zu arbeiten beginnen. Ich kann das ausprobieren. Es funktioniert fĂŒr mich.

Dazu muss ich mich ĂŒberhaupt nicht anstrengen. Ich kann kommunizieren, wie ich halt kommunizier. So mache ich meiner Erfahrungen/Beobachtungen. Wenn ich bei einem bestimmten Facebook-Freund in die Kommentare "SVP" schreib, gibt es ein Geschrei. Bei einem anderen meist eine gute Diskussion. Es liegt also offensichtlich nicht an meiner Kommunikation, sondern am vorherrschenden kommunikativen Umgang, da wo ich gerade schreibe.

Ein fĂŒr mich entscheidender und wichtiger Aspekt in diesem Bereich ist folgender: Ich habe fĂŒr mich in den letzten Jahren herausgefunden, dass die Redeposition, der Redeort sehr viel entscheidender ist fĂŒr den Verlauf der Kommunikation als die wirklichen Inhalte meiner Aussagen.

Ich kann an gewissen Stellen die krassesten Theorien formulieren, durchaus öffentlich einsehbar, und es interessiert niemanden wirklich. Oder es finden viele Leute sehr toll zum Beispiel.

TÀtige ich aber genau selbige Aussage am Arbeitsplatz oder in einer "hochkarÀtigen" Diskussion irgendwo, wird mir plötzlich jedes Wort im Mund umgedreht, es ist plötzlich alles ganz wichtig und schlimm.

Das finde ich sehr spannend. Was kann ich wo formulieren ohne angegriffen zu werden. Ich untersuche hier fĂŒr mich, was es eigentlich auf sich hat, mit der "freien Rede". Wo ich sie ausĂŒben darf und wo nicht.

Meine diesbezĂŒglichen Experimente gehen also zum Beispiel so: Ich schreibe immer das Gleiche. An 10 verschiedenen Orten, in verschiedenen Situationen. Und jedesmal nimmt die anschliessende Kommunikation einen anderen Verlauf.

Es ist also definitiv nicht meine Meinung, die solches auslöst. Sondern nur der Ort, die Position, aus welcher ich spreche.

Das kann ich insofern nutzen, weil mir ja vielleicht einmal der Sinn nach BestÀtigung steht und einmal nach Kontroverse.

Spannend fĂŒr mich in diesem Bereich der Diskurs zwischen Niklas Luhmann und Humberto Maturana, die sich da uneinig sind, wie radikal diese sogenannte Autopoiesis der Kommunikation gedacht werden kann.

Spannend auch der Abgleich zwischen Paul Watzlawick, Maturana und Luhmann. Hier wird in BĂ€lde ein neues Buch erscheinen (Paul Watzlawick Reloaded 4.0), auf welches ich mich sehr freue.

Und von Dirk Baecker sei auch ein leicht aktualisierter Ansatz zu erwarten.

ZusÀtzlich folge ich einer bestimmten Anzahl von Twitter-Adressen, die solche Kommunikationstheorien besprechen. TÀglich.

 

✅ Aber jetzt mal ehrlich, wenn nur die Kommunikation kommuniziert, was ist denn dann ĂŒberhaupt Kommunikation und inwiefern macht das Sinn?

Diese Frage habe ich fĂŒr mich noch nicht definitiv beantwortet. Kommunikation ist. Wie oben entwickelt: Wir können sie beobachten, wir können damit arbeiten. Es ist nicht abzustreiten. Was wir alles dazu rechnen möchten scheint auch nicht definitiv geklĂ€rt.

Naheliegend, dass wir zumindest in ausdifferenzierten Gesellschaft vieles ĂŒber die Sprache abwickeln. Über generalisierte Codes. Auch Schweigen ist ein solcher.

Immer noch aktuell fĂŒr mich in diesem Zusammenhang ist die These von Julian Jaynes, einem ehemaligen Kognitionsforscher der UniversitĂ€t Harvard, wenn ich richtig liege.

Er erforschte Sprachbewusstsein empirisch und publizierte Evidenz bezĂŒglich der These, dass sich unser Sprachbewusstsein aufgrund einer komplexen Zeichen, Symbol, Metapher und Schriftsprache erst vor ca 3500 Jahren herausbildete. Ums nochmals auf den Punkt zu bringen: Dieses Bewusstsein wurde von der Sprache erschaffen. Nicht umgekehrt.

Das auch zum Menschen gehörige Organische Bewusstsein, welches ĂŒber PrĂ€gung, Vererbung, Mutation etc. funktioniert, wĂ€re einige hunderttausend, Millionen oder Milliarden Jahre Ă€lter und dadurch natĂŒrlich bestimmend in vielen Aspekten des Lebens.

Ich selber kann Luhmann zum Beispiel sicherlich innerhalb aller Sprachbewusstseinsformen anwenden. Und vielleicht passt das insofern zusammen, dass wir auch erst ab diesem Zeitraum von ersten ausdifferenzierten Gesellschaften sprechen können.

Wie wir darĂŒber kommunizieren sollen, was das organische Bewusstsein tut, inwiefern ein Bild zum Beispiel unser Sprachbewusstsein oder unser Organisches Bewusstsein anspricht etc - das beobachte ich immer noch relativ frei bzw experimentiere mit Formen.

Hier könnten uns Katzenmemes oder die Posts ĂŒber unsere Haustiere, ĂŒber NaturphĂ€nomene etc. vielleicht weiter bringen. Und unsere Erfahrungen, wie wir "organisches Erleben" in die Sprache bringen. Und so weiter.

"Sinn", um das noch kurz anzusprechen, muss das in dieser Betrachtungsweise noch nicht machen fĂŒr mich.

Auf SocialMedia arbeite ich immer noch mit sprachlichen Formen aller Art.


✅ Aber: Wo sind wir denn hier ĂŒberhaupt?

Ja, gute Frage, oder: Wo genau sind wir, wenn wir uns zum Beispiel via unseren Facebook-Account mit irgendwelchen anderen Adressen austauschen? Eine frĂŒhe These von mir ist, dass das sensationell "Neue" an diesen Formen ist, dass wir eben (Luhmann) nur Kommunikation beobachten können hier. Unsere Körper sind ja eben genau nicht da. Und zu unseren Psychen haben die anderen Teilnehmer keinen Zugang. 

Deshalb ist Niklas Luhmanns Systemtheorie so interessant fĂŒr mich bezĂŒglich SocialMedia. Einige mögliche Probleme in anderen Settings stellen sich hier nicht.

Hier sind wir an einem Ort, den wir noch nicht kennen. Hier sind wir an einem Ort, an welchem die kommunikativen Aspekte unseres Dasein unter erhöhter Aufmerksamkeit stehen. Hier können wir lernen, was Kommunikation ist.

Es muss in meiner Ansicht aber irgendein Ort sein. Ansonsten wĂŒrd da nichts passieren.

Ich selber beobachte in diesem Bereich verschiedenen Modi: Ich kann "hier" ganz hermetisch in meinem eigenen kommunikative Raum sein und alle anderen Teilnehmer als Aspekte davon betrachten. Ich seh, lese sie nur ĂŒber den Anschluss an meine Welt. Das wĂ€r das eine.

Ich kann aber die Perspektive auch radikal umkehren und meine Kommunikation vollstĂ€ndig dem Raum, dem Erleben eines GegenĂŒbers zuschlagen. Dass meine Kommunikation also Funktion von ihr/von ihm ist und beobachten, was davon verfĂ€ngt.

In Tat und Wahrheit ist es das alles gleichzeitig natĂŒrlich. Ich selber switche Perspektiven nach Lust und Laune und interessiere mich fĂŒr komplexe "RĂ€ume", "Situationen", "Strukturen", also Bereiche, wo es eben ĂŒberhaupt nicht klar ist, was "hier" ist und mache dabei meine Erfahrungen, Beobachtungen.

✅ Und: Was ist denn das: ein "Hier"?

Irgendein "hier" muss es aber sein. Ein "hier" braucht es meiner Meinung nach, damit ĂŒberhaupt irgendetwas stattfinden kann. Ohne eine konkrete Situation drĂŒckt sich unser Leben nicht aus, soviel scheint mir gesichert.

Ein "hier" kann ich mir - wie oben ausgefĂŒhrt - konstruieren. Ich kann mir einen theoretischen Raum vorstellen, indem zum Beispiel fĂŒnf meiner Facebook Kontakte "sitzen" und kann versuchen, eine solche Situation durchzusetzen. Vielleicht klappts. Ich kann mir auch ein "hier" konstruieren, dass mich vielleicht an ein VorstellungsgesprĂ€ch erinnert oder an einen Flirt. Ich will jemanden beeindrucken mit meiner Kommunikation. Vielleicht klappts.

Ich "docke" mich also an ein "hier" an, wenn ich mich in meinen SocialMedia Account einlogge.

Es könnte auch sein, dass mein "hier" immer da ist, wo mein Körper sich gerade befindet, also die konkrete Situation ist, wo sich mein Leben ausdrĂŒckt. Ich wĂŒrde dieses "hier" also mit auf eine SocialMedia Plattform mitbringen. Mit allen anderen "hiers" alles anderen Accounts. 

Wichtig scheint mir die Erkenntnis, dass ohne eine Situation, ohne einen theoretischen Raum, also einer Vorstellung davon, einem GefĂŒge nach Deleuze, gar nichts "passiert".

Vielleicht gehört es auch zu unser aller SocialMedia Erfahrung, zu beobachten, welche "hiers" uns vertraut sind, was wir alles an Informationen brauchen, um ein "hier" zu fĂŒhlen und ab welchem Zeitpunkt wir schweigen, weil wir kein "hier" wahrnehmen.

Spontan interessant scheint mir die Beobachtung, dass sehr viele Menschen fast nur mitlesen auf SocialMedia und sich eben nicht Àussern.

Möglicherweise sind ihnen die vorhandenen GefĂŒge, Situationen, RĂ€ume nicht fassbar genug, sie empfinden es nicht als ein vertrautes "hier" und bleiben deswegen stumm.

Man* könnte sie fragen, worans ihnen fehlt, was es noch brĂ€uchte, um selber in die Kommunikation zu kommen. Dabei wĂŒrden wir wohl viel darĂŒber erfahren, ab wann fĂŒr einen Menschen eine Situation "ist", wirkt.

Ich meine, dass neuere Thesen zum Spracherwerb auch eine solche Sicht portieren. Vor den Buchstaben, den Worten, den SĂ€tzen, lernen wir "Situationen", die ĂŒberhaupt versprachlicht werden. Menschen, die sich solche "Situationen" nicht vorstellen können, beginnen nicht zu sprechen. Oder verstummen, wenn sie diese "hiers" zb aufgrund traumatischer Erfahrungen verlieren.

Die Buchstaben fallen ins Leere. Es scheint keinen Sinn zu machen, sich an einer Kommunikation zu beteiligen.

-------------------------------------- ende 29.4.2018, 18.00 Uhr----------------------------------------------

✅ Was fĂŒr Formen der Kommunikation nutzen wir und auf welchen Medien ĂŒbertragen wir unsere Kommunikation?

#Luhmann #McLuhan #Derrida #Cisoux #Kristeva #Bachtin

✅ Wenn ich das nun vergleichen möchte mit "frĂŒher", was kann ich dabei beobachten, was kann ich davon lernen/mitnehmen?

#Foucault #BazonBrock #Luhmann #DeSaussure

*

✅ Wenn wir das alles tun: Wer sind denn ĂŒberhaupt "wir"?

#Kristeva #Cisoux #Guattari #Maturana #Jaynes

✅ Und: Wenn das also "wir" sind, wer gehört denn alles (nicht) dazu?

#Luhmann

*

✅ Nun da ich das alles verstanden habe: Was soll ich nun tun?

#Strickler

*

(Falls weitere Kapitelchen/Aspekte gewĂŒnscht sind, einfach in den Kommentaren hier eintragen 🙃)

noed.net

 

 

Nachdem ich wohl im Jahr 2003 meine letzte eigene Website (www.noed.net) aufgelöst hatte und mich seither vor allem auf Forums-Plattformen, Wordpress-Blogseiten und weiteren SocialMedia-Anwendung rumtrieb, meine ich, die Zeit fĂŒr eine nĂ€chste “eigene” Plattform sei gekommen.

Die LektĂŒre des Papiers der EMEK (Eidgenössische Medienkommission) “Zukunft der Medien- und Kommunikationsordnung” und die gleichzeitige kurze Teilnahme/-gabe am #TweetUpZRH zeigen mir, dass sich zurzeit die “Welten der Beobachtung von Kommunikation” wohl definitiv trennen.

WĂ€hrend auf der einen Seite unreflektiert ĂŒber Infrastruktur und Deutungshoheit “nachgedacht” wird, gibt es offensichtlich auf der anderen Seite viele Menschen jeden Alters oder Geschlechts, die sehr wohl moderne Kommunikationsmedien adĂ€quat nutzen können, um individuelle Inhalte der (Selbst-) Beobachtung und der (Selbst-) Erfahrung zur VerfĂŒgung zu stellen.

Diese Menschen sollen, können und werden sich jetzt vernetzen.

Dass sie dafĂŒr nun nicht mehr den Umweg ĂŒber “Journalist*innen” wĂ€hlen mĂŒssen, sondern ihr eigenes Expertentum ungefiltert mit-teilen können (ob sie nun in Atomkraftwerken, RĂŒckversicherungen oder im Detailhandel oder der Kunstszene arbeiten) und konstellatorisch AnschlĂŒsse fĂŒr ihre Themen bereit stellen können, stellt die Rolle der klassischen Massenmedien in Frage.

Die Beobachtung, wie diese selber mit dieser Herausforderung umgehen — geschenkt!

Da nicht zu erwarten ist, dass offizielle staatliche oder kommerzielle Stellen innert nĂŒtzlicher Frist den Sprung in die mediale Zukunft ernsthaft wagen werden, ist es wohl an uns, dies einfach zu tun.

Es scheint schlicht immer noch nicht verstanden, dass Kommunikation stattfindet, immer und ĂŒberall, dass sich diese Kommunikation dank modernen technischen Mitteln auch weitrĂ€umig abbildet und so AnschlĂŒsse bereitstellt fĂŒr weitere Kommunikation und dass dies genau das Feld ist, in welchem sich Gesellschaft konstituiert, jede Sekunde.

Es lĂ€uft also “automatisch”, es lĂ€uft “gratis” und es ist dennoch das einzig reale Fundament eines Konstruktes, welches wir “Welt” nennen könnten.

Es lĂ€uft in organischen Prozessen des gegenseitigen “Lernens”, des Abgleichs, der Mutationen und Weiterentwicklungen.

Und es lÀuft auf der Ebene eines komplexen sprachlichen Bewusstseins, welches sich immer nur auf sich selber beziehen kann und so ungeahnte geistige Höhen erklimmt, unzÀhlige Querverbindungen offenlegt und dies alles sowohl schriftlich als auch filmisch, bildlich und in weiteren medialen Formen nachvollziehbar und transparent abbildet.

Dass wir schon lange in post-industriellen und post-massenmedialen Zeiten leben (könnten), soviel weiss die Erfahrung nicht Weniger, welche dies in den letzten drei Jahrzehnten miterleben, mitexperimentieren durften.

Der Zeitgeist aber (ver-)kĂŒmmert (sich) gerade an/um sehr komplexitĂ€tsreduzierten industriellen Modellen.

Der geneigte Beobachter, die Beobachterin, muss unschlĂŒssig bleiben, ob die Menschheit wirklich an einer Weiterentwicklung der “menschlichen SphĂ€re” arbeitet oder ob wir uns ernsthaft geeinigt haben, dass die Zukunft des Automobils (“Roboter”) gleichbedeutend mit der Zukunft der Menschheit sei.

Ich persönlich bin ĂŒberzeugt, dass der #medienwechsel uns alle vor grösste Herausforderungen (va bezĂŒglich der “Eigenverantwortung”) stellen wird und dass die “Flucht” in eine massenmediale WohlfĂŒhlatmosphĂ€re gerade in verwirrenden und bewegenden Zeiten attraktiv erscheint.

Es ist an der Zeit, dies zu ignorieren.

Denn wir können vieles tun und lassen in diesen Zeiten.

Was wir aber nicht tun können: Nicht darĂŒber kommunizieren.

 #dfdu

#dfdu