Kunst und Gesellschaft // Sinn und Kommunikation

Also, vielleicht schaff ich heute mal wieder einen Text. 9 Kapitelchen hab ich mir zumindest vorgenommen.

­čĄ▓

Prolog

Ein Sonntagmorgen im April. Ich setz mich an meinen PC und hab Pl├Ąne. Aber was f├╝r welche?

Ich k├Ânnt zum Beispiel mal ein wenig zusammenfassen, was f├╝r "Aspekte im Umgang mit den modernen Kommunikations-Devices" mir pers├Ânlich interessant erscheinen, zur Zeit.

M├Âglicherweise g├Ąbe es eine komplexe Netzwerk- oder gar Kommunikationstheorie, die alles das, was mich zur Zeit besch├Ąftigt, genial formuliert.

Ich k├Ânnte sie mir vielleicht sogar aneignen. Aber zu dem Zeitpunkt w├Ąr sie dann sicher nicht mehr aktuell.

Ich will also keine stringente Theorie. Lieber will ich meine eigenen Erfahrungen machen.

Dennoch bin ich froh, mich bei Unsicherheiten und Fragen auf einige grunds├Ątzliche ├ťberlegungen st├╝tzen zu k├Ânnen.

Schliesslich soll es mir Spass machen, hier im unsicheren Raum der M├Âglichkeiten.

--

(ca 8 Stunden sp├Ąter)

Nun setz ich mich also dran, hier ein paar Gedanken in die Kommunikation zu bringen zu meiner Ansage von heute morgen. Zu einem gewissen Teil habe ich mich dazu selber ├╝berlistet. Gut m├Âglich, dass ich heute nichts mehr getan h├Ątte dergleichen, wenn ich diesen Text nicht am Morgen auf Facebook angek├╝ndigt h├Ątte und ein paar Reaktionen dazu bekam.

Das mach ich oft so: Ich poste irgendetwas, was mich interessiert oder triggert und erh├Âhe sozusagen den Druck auf mich selber, mich dann auch mal ein wenig damit auseinanderzusetzen. Ansonsten w├Ąrs mir sp├Ątestens nach ein paar Wochen peinlich, wenn ich mich in aller ├ľffentlichkeit immer nur an den gleichen Punkten wiederhol und nie einen Schritt weiter zu kommen scheine.

Ich traue mir dieses Spannungsfeld offenbar zu und kann sogar damit leben, wenn das eine Beobachterin, ein Beobachter nicht so sieht. Dazu habe ich nat├╝rlich Verschiedenes experimentiert und meine Erfahrung zeigt mir, dass ich eigentlich "in Ruhe gelassen" werde mit meinem Workflow. Es scheint also irgendwie sozial vertr├Ąglich zu sein.

Hier werde ich also nun einige Aspekte formulieren, sich in den letzten beiden Jahren intensiver SocialMedia-Nutzung angesammelt haben. Es sind alles Aspekte, die ich f├╝r mich insofern als immer noch g├╝ltig erachte, weil sie sich in meiner Beobachtung noch nicht falsifiziert, aufgel├Âst und auch noch nicht definitiv ausdifferenziert haben. Sie sind mir - von meinem Punkt aus gesehen - immer noch n├╝tzlich.

Im Idealfall beachte ich sie nicht.

Was wir hier tun mit unseren SocialMedia-Accounts und Adressen scheint mir insgesamt immer noch viel zu unklar. Entscheidend scheint mir also immer noch, wie ich das ganz pers├Ânlich erlebe. Ich will mich da nicht einschr├Ąnken lassen.

Die These geht, dass dies eine wirklich neuartige Applikation ist, die uns hier zur Verf├╝gung steht und wir komplett ahnungslos sind, wohin das f├╝hren wird. 

Es scheint also angebracht, meine ur-eigenen Erfahrungen zu sammeln und mich dabei beobachten zu lassen. Aus der Differenz meiner Erfahrungen und den R├╝ckmeldungen, die ich beobachten kann, kann ich Schl├╝sse ziehen, weiter experimentieren.

Es gelingt also, weil ich nicht alleine bin. Formen der Kommunikation "f├╝r mich alleine" kenne ich schon viele - das hier ist eine andere.

Ich werde diese Text "hermetisch" halten. Also mich zwar auf Theoretikerinnen beziehen oder die eine oder andere "User"-Erfahrung ant├Ânen, aber weder Links noch Original-Zitate dazu posten. Es darf gerne etwas holzschnittartig r├╝berkommen. 

Das ist in dieser Form dann interessant f├╝r mich. Unter anderem, weil ich in den letzten Jahren sehr selten (freiwillig) Texte geschrieben habe. Ich halt mir selber die entsprechenden Anspr├╝che tief, denn ich weiss, der Appetit kommt mit dem Essen.

Und ich weiss noch nicht genau, ob ich darauf wirklich Lust habe, auf das Schreiben von Texten, also lass ich mich eher locker, experimentell darauf ein.

Sonst w├╝rds mir den Spass verderben.

Ôťů Nur die Kommunikation kommuniziert

Das ist so etwas, was fast niemand zu verstehen scheint. Gut also damit anzufangen.

Ich lass den Teil jetzt weg, der argumentiert, wieso "Kommunikation" eine brauchbare gesellschaftstheoretische Kategorie ist und wieso "Kultur" oder "Moral" eben nicht zum Beispiel. Das hat meiner Meinung nach rein wissenschaftliche, logische Gr├╝nde. Begriffe werden verworfen, wenn sich zeigt, dass sie f├╝r eine Analyse nicht taugen. Nicht weil eine Theoretikerin einen Begriff "nicht mag".

Gerne bringe ich aber ein einfaches Beispiel zur Illustration:

Wir, also Sie Leserin und ich, wir treffen uns - sagen wir: am Kiosk - und blicken uns kurz in die Augen. Sie sagen: "Guten Tag". Ich erwidere: "Gr├╝eziwohl". Vielleicht l├Ącheln wir uns noch kurz an oder nicken oder so und gehen dann unserer Wege.

Was ist da nun genau "passiert"?

Man* k├Ânnts von vielen Seiten betrachten, aber lassen Sie uns mal bloss die Kommunikation, den Blick, die Worte, das Nicken anschauen. Nat├╝rlich nehmen wir das pers├Ânlich. Nat├╝rlich kann das etwas in uns ausl├Âsen, weiterf├╝hrende Gedanken oder was auch immer.

Die These aber, dass das "Gr├╝eziwohl", welches ich entgegnete, gelernte Kommunikation ist, scheint bestechend. Mein "Gr├╝eziwohl" hat mutmasslich sehr, sehr viel mehr mit meiner allgemeinen Art des Sprechens zu tun als mit diesem einzigartigen Moment der Begegnung.

Ich hab mal gelernt, dass man* gr├╝sst. Auf schweizerdeutsch, weil ich mich gerade in der Deutsch-Schweiz befinde und hier aufgewachsen bin.

Ich hab also wohl schon tausende Male in meinem Leben "Gr├╝ezi" gesagt und die Vermutung, dass dieses konkrete "Gr├╝eziwohl" an Sie heute am Kiosk eine leichte Variation meiner tausendfachen Gr├╝ezi-├ťbung ist (und sehr wenig mit der konkreten Begegnung zu tun hat), scheint mir einleuchtend. Genauso wie Ihre Begr├╝ssung an mich. 

Es mag uns dabei beiden ein minimer Unterschied zu allen anderen kurzen Begr├╝ssungen unseres Lebens auffallen, und diese Beobachtung mag sehr interessant sein, grosso modo ist es aber ein gut einge├╝btes Ritual.

Es bezieht sich auf die Sprache, die wir gelernt haben, auf "Codes", wie man* sich in der ├ľffentlichkeit zu verhalten hat, darauf, dass wir ├╝berhaupt sprechen und so weiter. Auf eine mehrere tausend Jahre alte Geschichte der Sprachentwicklung sozusagen.

Es w├Ąre - in einer anderen Entwicklung - auch m├Âglich gewesen, dass wir uns an der Nase stupsen zur Begr├╝ssung. Taten wir aber nicht und tun wir nicht. Eben, nicht weil diese exeptionelle Einzelbegegnung uns dazu veranlasst, sondern es ist die Art, wie wir je gelernt haben zu kommunizieren.

Sollte es in Mode kommen in bestimmten Situationen "blublub" zur Begr├╝ssung zu sagen, werden wir beide das dann auch tun. Weil sich etwas an einem kommunikativen Ausdruck ge├Ąndert hat, nicht, weil ich pl├Âtzlich ein anderer Mensch bin.

*

Beobachten wir uns also gegenseitig auf Facebook, dann ist davon auszugehen, dass wir gegenseitig je unseren Umgang mit Kommunikation beobachten.

Das scheint noch klar, wenn ich zum Beispiel einen comment-Strang mitlese, aber selber nichts dazu schreibe. Ich sehe, wie Menschen hier miteinander kommunizieren und es k├Ąme mir nicht in den Sinn, diese Kommunikationen auf mich, also auf meine Anwesenheit zu beziehen. Wie auch? Es sieht ja niemand, dass ich mitlese.

Kommentier ich aber mit und begebe mich in Diskussionen, Unterhaltungen, scheint das pl├Âtzlich ge├Ąndert. Mein Gegen├╝ber schreibt jetzt wegen mir genau so. Ich nehme das pers├Ânlich. Er/Sie meint das sicher so oder so.

Nein, nat├╝rlich nicht. Ich ver├Ąndere nicht die Kommunikationsformen eines Gegen├╝bers, die er/sie schon tausendfach einge├╝bt hat, einfach schnell so. Es w├Ąre absurd, davon auszugehen.

M├Âglich, dass ich mein Gegen├╝ber mit meiner Art der Kommunikation in einen etwas anderen Modus bringe. Es kann aber nur ein Modus sein, der diese Person schon kennt, also schon einge├╝bt hat, also der sich wiederum auf das Feld (seiner) der Kommunikation bezieht und nicht auf meiner aktuelle Anwesenheit.

Es macht also f├╝r mich schlicht und einfach Sinn "bloss" die Kommunikation zu beobachten und mir keine weiteren schnellen Schl├╝sse daraus zu ziehen. Die Gefahr scheint gross, dass ich schlicht von Anfang an "projeziere", weil ich mir zb gewohnt bin, dass nur "ein solch und solcher Mensch so schreibt".

Das hat aber nicht mit meinem konkreten Gegen├╝ber zu tun, wie k├Ânnte es auch?

*

Wir radikal dieses "nur die Kommunikation kommuniziert" zu denken ist, h├Ąngt f├╝r mich von verschiedenen noch ungekl├Ąrten Faktoren ab.

Ich mag die radikale Luhmann-Variante sehr. Seine Begr├╝ndung daf├╝r hiesse vielleicht ungef├Ąhr so: Auch wenn sich in diesen kommunikativen Situation viel mehr als blosse Kommunikation abspielt, macht es wenig Sinn, dar├╝ber zu spekulieren. Denn die Kommunikation ist vorhanden, sie kann beobachtet werden. Es kann damit gearbeitet werden. Da wir nicht wissen (und nach Luhmann auch nie einen Zugang dazu haben werden), wie die Psyche unseres Gegen├╝bers funktioniert, wie sein Spracherwerb war, und wieso ganz genau er/sie das nun genau so formuliert, scheint es wenig Sinn zu machen, in diesem Bereich zu gr├╝beln.

Nicht wenn wir von ├Âffentlicher Kommunikation sprechen. Vielleicht gibt es einen privateren Kreis oder eine Profession, die solche Frage zu stellen und auch ein wenig zu beantworten mag. Ich weiss es nicht.

Wenn ich mich zus├Ątzlich darauf achte, dass auch "ich" nur durch meiner Kommunikation wahrgenommen werde, dann kann ich damit zu spielen, zu arbeiten beginnen. Ich kann das ausprobieren. Es funktioniert f├╝r mich.

Dazu muss ich mich ├╝berhaupt nicht anstrengen. Ich kann kommunizieren, wie ich halt kommunizier. So mache ich meiner Erfahrungen/Beobachtungen. Wenn ich bei einem bestimmten Facebook-Freund in die Kommentare "SVP" schreib, gibt es ein Geschrei. Bei einem anderen meist eine gute Diskussion. Es liegt also offensichtlich nicht an meiner Kommunikation, sondern am vorherrschenden kommunikativen Umgang, da wo ich gerade schreibe.

Ein f├╝r mich entscheidender und wichtiger Aspekt in diesem Bereich ist folgender: Ich habe f├╝r mich in den letzten Jahren herausgefunden, dass die Redeposition, der Redeort sehr viel entscheidender ist f├╝r den Verlauf der Kommunikation als die wirklichen Inhalte meiner Aussagen.

Ich kann an gewissen Stellen die krassesten Theorien formulieren, durchaus ├Âffentlich einsehbar, und es interessiert niemanden wirklich. Oder es finden viele Leute sehr toll zum Beispiel.

T├Ątige ich aber genau selbige Aussage am Arbeitsplatz oder in einer "hochkar├Ątigen" Diskussion irgendwo, wird mir pl├Âtzlich jedes Wort im Mund umgedreht, es ist pl├Âtzlich alles ganz wichtig und schlimm.

Das finde ich sehr spannend. Was kann ich wo formulieren ohne angegriffen zu werden. Ich untersuche hier f├╝r mich, was es eigentlich auf sich hat, mit der "freien Rede". Wo ich sie aus├╝ben darf und wo nicht.

Meine diesbez├╝glichen Experimente gehen also zum Beispiel so: Ich schreibe immer das Gleiche. An 10 verschiedenen Orten, in verschiedenen Situationen. Und jedesmal nimmt die anschliessende Kommunikation einen anderen Verlauf.

Es ist also definitiv nicht meine Meinung, die solches ausl├Âst. Sondern nur der Ort, die Position, aus welcher ich spreche.

Das kann ich insofern nutzen, weil mir ja vielleicht einmal der Sinn nach Best├Ątigung steht und einmal nach Kontroverse.

Spannend f├╝r mich in diesem Bereich der Diskurs zwischen Niklas Luhmann und Humberto Maturana, die sich da uneinig sind, wie radikal diese sogenannte Autopoiesis der Kommunikation gedacht werden kann.

Spannend auch der Abgleich zwischen Paul Watzlawick, Maturana und Luhmann. Hier wird in B├Ąlde ein neues Buch erscheinen (Paul Watzlawick Reloaded 4.0), auf welches ich mich sehr freue.

Und von Dirk Baecker sei auch ein leicht aktualisierter Ansatz zu erwarten.

Zus├Ątzlich folge ich einer bestimmten Anzahl von Twitter-Adressen, die solche Kommunikationstheorien besprechen. T├Ąglich.

 

Ôťů Aber jetzt mal ehrlich, wenn nur die Kommunikation kommuniziert, was ist denn dann ├╝berhaupt Kommunikation und inwiefern macht das Sinn?

Diese Frage habe ich f├╝r mich noch nicht definitiv beantwortet. Kommunikation ist. Wie oben entwickelt: Wir k├Ânnen sie beobachten, wir k├Ânnen damit arbeiten. Es ist nicht abzustreiten. Was wir alles dazu rechnen m├Âchten scheint auch nicht definitiv gekl├Ąrt.

Naheliegend, dass wir zumindest in ausdifferenzierten Gesellschaft vieles ├╝ber die Sprache abwickeln. ├ťber generalisierte Codes. Auch Schweigen ist ein solcher.

Immer noch aktuell f├╝r mich in diesem Zusammenhang ist die These von Julian Jaynes, einem ehemaligen Kognitionsforscher der Universit├Ąt Harvard, wenn ich richtig liege.

Er erforschte Sprachbewusstsein empirisch und publizierte Evidenz bez├╝glich der These, dass sich unser Sprachbewusstsein aufgrund einer komplexen Zeichen, Symbol, Metapher und Schriftsprache erst vor ca 3500 Jahren herausbildete. Ums nochmals auf den Punkt zu bringen: Dieses Bewusstsein wurde von der Sprache erschaffen. Nicht umgekehrt.

Das auch zum Menschen geh├Ârige Organische Bewusstsein, welches ├╝ber Pr├Ągung, Vererbung, Mutation etc. funktioniert, w├Ąre einige hunderttausend, Millionen oder Milliarden Jahre ├Ąlter und dadurch nat├╝rlich bestimmend in vielen Aspekten des Lebens.

Ich selber kann Luhmann zum Beispiel sicherlich innerhalb aller Sprachbewusstseinsformen anwenden. Und vielleicht passt das insofern zusammen, dass wir auch erst ab diesem Zeitraum von ersten ausdifferenzierten Gesellschaften sprechen k├Ânnen.

Wie wir dar├╝ber kommunizieren sollen, was das organische Bewusstsein tut, inwiefern ein Bild zum Beispiel unser Sprachbewusstsein oder unser Organisches Bewusstsein anspricht etc - das beobachte ich immer noch relativ frei bzw experimentiere mit Formen.

Hier k├Ânnten uns Katzenmemes oder die Posts ├╝ber unsere Haustiere, ├╝ber Naturph├Ąnomene etc. vielleicht weiter bringen. Und unsere Erfahrungen, wie wir "organisches Erleben" in die Sprache bringen. Und so weiter.

"Sinn", um das noch kurz anzusprechen, muss das in dieser Betrachtungsweise noch nicht machen f├╝r mich.

Auf SocialMedia arbeite ich immer noch mit sprachlichen Formen aller Art.


Ôťů Aber: Wo sind wir denn hier ├╝berhaupt?

Ja, gute Frage, oder: Wo genau sind wir, wenn wir uns zum Beispiel via unseren Facebook-Account mit irgendwelchen anderen Adressen austauschen? Eine fr├╝he These von mir ist, dass das sensationell "Neue" an diesen Formen ist, dass wir eben (Luhmann) nur Kommunikation beobachten k├Ânnen hier. Unsere K├Ârper sind ja eben genau nicht da. Und zu unseren Psychen haben die anderen Teilnehmer keinen Zugang. 

Deshalb ist Niklas Luhmanns Systemtheorie so interessant f├╝r mich bez├╝glich SocialMedia. Einige m├Âgliche Probleme in anderen Settings stellen sich hier nicht.

Hier sind wir an einem Ort, den wir noch nicht kennen. Hier sind wir an einem Ort, an welchem die kommunikativen Aspekte unseres Dasein unter erh├Âhter Aufmerksamkeit stehen. Hier k├Ânnen wir lernen, was Kommunikation ist.

Es muss in meiner Ansicht aber irgendein Ort sein. Ansonsten w├╝rd da nichts passieren.

Ich selber beobachte in diesem Bereich verschiedenen Modi: Ich kann "hier" ganz hermetisch in meinem eigenen kommunikative Raum sein und alle anderen Teilnehmer als Aspekte davon betrachten. Ich seh, lese sie nur ├╝ber den Anschluss an meine Welt. Das w├Ąr das eine.

Ich kann aber die Perspektive auch radikal umkehren und meine Kommunikation vollst├Ąndig dem Raum, dem Erleben eines Gegen├╝bers zuschlagen. Dass meine Kommunikation also Funktion von ihr/von ihm ist und beobachten, was davon verf├Ąngt.

In Tat und Wahrheit ist es das alles gleichzeitig nat├╝rlich. Ich selber switche Perspektiven nach Lust und Laune und interessiere mich f├╝r komplexe "R├Ąume", "Situationen", "Strukturen", also Bereiche, wo es eben ├╝berhaupt nicht klar ist, was "hier" ist und mache dabei meine Erfahrungen, Beobachtungen.

Ôťů Und: Was ist denn das: ein "Hier"?

Irgendein "hier" muss es aber sein. Ein "hier" braucht es meiner Meinung nach, damit ├╝berhaupt irgendetwas stattfinden kann. Ohne eine konkrete Situation dr├╝ckt sich unser Leben nicht aus, soviel scheint mir gesichert.

Ein "hier" kann ich mir - wie oben ausgef├╝hrt - konstruieren. Ich kann mir einen theoretischen Raum vorstellen, indem zum Beispiel f├╝nf meiner Facebook Kontakte "sitzen" und kann versuchen, eine solche Situation durchzusetzen. Vielleicht klappts. Ich kann mir auch ein "hier" konstruieren, dass mich vielleicht an ein Vorstellungsgespr├Ąch erinnert oder an einen Flirt. Ich will jemanden beeindrucken mit meiner Kommunikation. Vielleicht klappts.

Ich "docke" mich also an ein "hier" an, wenn ich mich in meinen SocialMedia Account einlogge.

Es k├Ânnte auch sein, dass mein "hier" immer da ist, wo mein K├Ârper sich gerade befindet, also die konkrete Situation ist, wo sich mein Leben ausdr├╝ckt. Ich w├╝rde dieses "hier" also mit auf eine SocialMedia Plattform mitbringen. Mit allen anderen "hiers" alles anderen Accounts. 

Wichtig scheint mir die Erkenntnis, dass ohne eine Situation, ohne einen theoretischen Raum, also einer Vorstellung davon, einem Gef├╝ge nach Deleuze, gar nichts "passiert".

Vielleicht geh├Ârt es auch zu unser aller SocialMedia Erfahrung, zu beobachten, welche "hiers" uns vertraut sind, was wir alles an Informationen brauchen, um ein "hier" zu f├╝hlen und ab welchem Zeitpunkt wir schweigen, weil wir kein "hier" wahrnehmen.

Spontan interessant scheint mir die Beobachtung, dass sehr viele Menschen fast nur mitlesen auf SocialMedia und sich eben nicht ├Ąussern.

M├Âglicherweise sind ihnen die vorhandenen Gef├╝ge, Situationen, R├Ąume nicht fassbar genug, sie empfinden es nicht als ein vertrautes "hier" und bleiben deswegen stumm.

Man* k├Ânnte sie fragen, worans ihnen fehlt, was es noch br├Ąuchte, um selber in die Kommunikation zu kommen. Dabei w├╝rden wir wohl viel dar├╝ber erfahren, ab wann f├╝r einen Menschen eine Situation "ist", wirkt.

Ich meine, dass neuere Thesen zum Spracherwerb auch eine solche Sicht portieren. Vor den Buchstaben, den Worten, den S├Ątzen, lernen wir "Situationen", die ├╝berhaupt versprachlicht werden. Menschen, die sich solche "Situationen" nicht vorstellen k├Ânnen, beginnen nicht zu sprechen. Oder verstummen, wenn sie diese "hiers" zb aufgrund traumatischer Erfahrungen verlieren.

Die Buchstaben fallen ins Leere. Es scheint keinen Sinn zu machen, sich an einer Kommunikation zu beteiligen.

-------------------------------------- ende 29.4.2018, 18.00 Uhr----------------------------------------------

Ôťů Was f├╝r Formen der Kommunikation nutzen wir und auf welchen Medien ├╝bertragen wir unsere Kommunikation?

#Luhmann #McLuhan #Derrida #Cisoux #Kristeva #Bachtin

Ôťů Wenn ich das nun vergleichen m├Âchte mit "fr├╝her", was kann ich dabei beobachten, was kann ich davon lernen/mitnehmen?

#Foucault #BazonBrock #Luhmann #DeSaussure

*

Ôťů Wenn wir das alles tun: Wer sind denn ├╝berhaupt "wir"?

#Kristeva #Cisoux #Guattari #Maturana #Jaynes

Ôťů Und: Wenn das also "wir" sind, wer geh├Ârt denn alles (nicht) dazu?

#Luhmann

*

Ôťů Nun da ich das alles verstanden habe: Was soll ich nun tun?

#Strickler

*

(Falls weitere Kapitelchen/Aspekte gew├╝nscht sind, einfach in den Kommentaren hier eintragen ­čÖâ)